Samstag, 22. Dezember 2012

Zwei Wutbriefe zum Ende des Jahres:

Gerard Depardieu an Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault:
"Erbärmlich, Sie haben erbärmlich gesagt? Wie erbärmlich das ist. Ich bin 1948 geboren, ich habe im Alter von 14 Jahren als Drucker angefangen zu arbeiten, dann als Lagerarbeiter, später als Schauspieler. Ich habe immer meine Steuern und Abgaben gezahlt, wie hoch der Satz auch war, und unter allen Regierungen. Niemals bin ich meinen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Die historischen Filme, in denen ich mitgespielt habe, belegen meine Liebe zu Frankreich und seiner Geschichte. Berühmtere Personen als ich wurden ins Ausland verbannt oder haben das Land verlassen.
Unglücklicherweise bleibt mir hier nichts mehr zu tun. Aber ich werde auch künftig die Franzosen lieben und dieses Publikum, mit dem ich so viele Emotionen geteilt habe! Ich gehe, weil Sie der Ansicht sind, dass der Erfolg, die Schaffenskraft, das Talent, im Grunde: der Unterschied, bestraft werden müssen. Ich verlange nicht, dass man meinen Schritt gutheißt, aber ich könnte zumindest respektiert werden. All jene, die Frankreich verlassen haben, wurden nicht so beleidigt wie ich. Meine Gründe, die zahlreich und persönlich sind, habe ich nicht zu rechtfertigen.
Ich gehe, nachdem ich in diesem Jahr 85 Prozent Einkommensteuer gezahlt habe. Aber ich bewahre den Geist Frankreichs, der schön war und der, wie ich hoffe, es bleiben wird. Ich überreiche Ihnen meinen Pass und meine Sozialversicherungskarte, die ich niemals benutzt habe. Wir haben nicht mehr dasselbe Vaterland, ich bin ein wahrer Europäer, ein Bürger der Welt, so wie es mir mein Vater beigebracht hat. Ich finde die Verbissenheit der Justiz gegenüber meinem Sohn Guillaume erbärmlich, die ihn als Jungen wegen zwei Gramm Heroin zu drei Jahren Haft verurteilt hat, während andere trotz weitaus schlimmerer Verbrechen vom Gefängnis verschont bleiben. Ich werfe keinen Stein auf Menschen mit zu viel Cholesterin, mit Bluthochdruck, Diabetes oder die zu viel trinken. Ich werfe keinen Stein auf jene, die auf ihrem Motorroller eingeschlafen sind. Ich bin einer von ihnen, wie Ihre teuren Medien so gerne wiederholen. Ich habe niemals einen Menschen umgebracht. Ich denke nicht, dass ich mich jemals als unwürdig erwiesen habe. Ich habe in 45 Jahren 145 Millionen Euro Steuern gezahlt. Ich habe für 80 Personen Arbeit geschaffen in Unternehmen, die für sie entwickelt wurden und die von ihnen geleitet werden.
Ich bin weder zu bedauern noch zu beneiden, aber ich lehne das Wort erbärmlich ab. Wer sind Sie, dass Sie mich derart verurteilen, das frage ich Sie, Monsieur Ayrault, Premierminister von Monsieur Hollande. Ich frage Sie, wer sind Sie? Trotz meiner Exzesse, meines Appetits und meiner Lebensfreude bin ich ein freies Wesen, Monsieur, und ich werde höflich bleiben." Gérard Depardieu

Paul Jäger (Fortuna-Vorstand) an die Ultras:
"Liebe Freunde des Vereins,
ja, ich bin gestern ausgeflippt! Und ich habe gut daran getan, den Weg zu den Bussen durch den romantischen Wald alleine zu gehen. Hat aber nicht viel geholfen und auch nach kurzer Nacht bin ich noch in einem ähnlichen Zustand wie unmittelbar nach dem Spiel. Was ist passiert?
 
Peter Frymuth und ich haben letzte Woche in Frankfurt im Rahmen der Mitgliederversammlung zu allen 16 Anträgen mit "Ja" abgestimmt. Dies war die klare und deutliche Vorgabe der Euch bekannten Arbeitsgruppe. Was Peter Frymuth und ich alleine und ohne Rücksprache abgestimmt haben, war der Ergänzungsantrag von Eintracht Frankfurt, der aufgrund der Vorkommnisse der Frankfurter bei den Bayern gestellt wurde. Weil dies eine Verbesserung der Einlasskontrollen zu Gunsten der Fans war, haben wir dem zugestimmt. Peter Frymuth und ich saßen in der Sitzung und waren zufrieden mit den hinter uns liegenden Wochen, in denen über die gesamten vorliegenden Konzeptpapiere und am Ende über die Anträge von Eurer Seite diskutiert wurde und auch unter Heranführung Eurer Stellungnahmen Verbesserung erzielt werden konnten. Somit konnte im Ergebnis von den Beteiligten der Arbeitsgruppe grünes Licht für die Annahme der Anträge über den für diesen Bereich zuständigen Vorstand signalisiert werden.
Noch am gleichen Tag haben wir dann fassungslos Eure Kommentare zu der Abstimmung in Frankfurt zur Kenntnis nehmen müssen.
Unser Spiel gegen Hannover war für den Verein bezüglich des möglichen Klassenerhalts von existentieller Bedeutung. Viele von Euch verlassen dieses Spiel nach 12 Minuten und stärken der Mannschaft nicht den Rücken. Hat sich eigentlich rund um unser Heimspiel gegen Hannover irgendetwas geändert? Für Euch oder für die Gästefans? Es wird gesungen "wir sind die Fans, die Ihr nicht wollt". Sorry, aber wir wollen Euch und dies haben wir Euch immer wieder spüren lassen. Wem die Fortuna am Herzen liegt, für den ist Platz im Stadion! Und ich denke, für den einen oder anderen von Euch haben oder hatten andere Fortunen und ich immer ein offenes Ohr. An dieser Stelle sei übrigens auch gesagt, dass wir jene, die einige von Euch beim Verlassen des Stadions beworfen haben, auf Schärfste verurteilen. Dies war eine Reaktion, die schlichtweg "zum Kotzen" war!

Gegen Offenbach geht der Spuk weiter. Schweigen bei einem so wichtigen Pokalspiel! Nach Ewigkeiten hat die Fortuna wieder eine riesen Chance, einmal wieder unter die letzten acht im DFB-Pokal zu kommen und ein Großteil der eigenen Fans kriegt die Klappe nicht auf. Gut, die Mannschaft hat schlecht gespielt und verdient verloren. Aber als nach dem Spiel und in einem Moment, in dem viele andere und ich am Boden waren und tiefe Enttäuschung empfunden haben, gesungen wird, "wir sind die Fans, die Ihr nicht wollt", das war der Gipfel. Das war in meinen 23 Jahren Job bei der Fortuna und weiteren 25 Jahren ohne Job und "lediglich" als aktiver Fan des Vereins der absolute Tiefpunkt. Ein Schlag ins Gesicht! Noch nie war ein Protest so fehl am Platze! Niemals hat jemand so deutlich dokumentiert, was für ihn wichtig ist. Man selbst ist wichtig, es wird sich überhöht. Jemand von Euch hat geschrieben, dass das Funkeln aus meinen Augen verschwunden sei. Ich sei im freien Fall! Auch hierzu sage ich, in bin der alte geblieben, ich werde immer mit beiden Beinen auf der Erde stehen, ich habe nicht all das Elend in der Vergangenheit vergessen, ich habe nicht jene vergessen, die bei uns ganz unten eingestiegen sind und den fast unheimlichen Aufstieg des Vereins begleitet haben, bei Siegen habe ich immer noch feuchte Augen, und bei Niederlagen sollte man mich besser meiden. Ich bin, wie ich bin, häufig zu emotional, aber in der Maloche rational, und ich ändere mich auch nicht mehr! Mit mir kannst Du immer kräftig streiten, aber dann muss auch gut sein, die Sache ist vergessen und wir raufen uns zusammen! So war es bei mir zumindest bis gestern!

Der Verein ist wichtig, nichts Anderes! Nicht Frymuth, nicht Jäger, nicht Meier, nicht Ihr. Wir sind alle sterblich, der Verein wird uns alle überleben! In mir ist gestern durch Euer Verhalten nach Spielende etwas zerstört worden, was Stand jetzt irreparabel zu sein scheint. Ich würde aber gerne verstehen und biete allen Interessenten ein Gespräch mit mir an! Gerne noch in dieser Woche oder am kommenden Samstag! Ich habe immer gesagt, dass ich den Job hier mache, weil er mir Freude bereitet, weil ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, weil Fußball schauen egal in welchen Ligen mir Lebensqualität bedeutet. Weil mein Verein mir Freude macht, weil die Fortuna viele andere Fans glücklich macht! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Alles noch so empfinden kann!

Bitte habt Verständnis, dass ich jetzt aus zeitlichen Gründen nicht auf weitere Kommentare von Euch eingehen kann. Ich würde mich freuen, wenn wir uns kurzfristig treffen könnten.

Viele Grüße, Paul Jäger"

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