Auszug aus einem Beitrag der 'DĂŒsseldorfer Jonges':
"Mehr Sicherheit in der Altstadt
Jonges entwickeln einen Vorschlag zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung
die „LĂ€ngste Theke der Welt“ ist ein Begriff. Die Stadt wirbt damit im In- und Ausland. Es geht um das „pulsierende HerzstĂŒck der Landeshauptstadt“, sogar um eine „Schatzinsel“ und einen „WohlfĂŒhlplatz“, wie es werbend heiĂt.
Dieser Werbung folgen an Wochenenden oft mehr als 100 000 Menschen. Sie erwarten gastronomische Vielfalt auf engem Raum. Und ungetrĂŒbten SpaĂ.
Aber: Randale erwarten Besucher nicht.
Wir Jonges haben unser Haus mitten in der Altstadt und die Szene gut im Blick. Wir sehen, in welche Richtung sich das „HerzstĂŒck“ entwickelt. Unbeschwerte Stunden können wir unseren Besuchern lĂ€ngst nicht mehr versprechen. Gewalt hat sich breit gemacht. Sogar bis hin zu Tötungsdelikten. Das Herz der Stadt hat, wie es scheint, einen Knacks bekommen.
Aus groĂer Sorge heraus haben wir Jonges den Beobachtungsstatus verlassen und ein Konzept entwickelt, das wir im Januar bei einer Videokonferenz gern mit Ihnen diskutieren möchten.
Die GrundzĂŒge unseres Konzeptes:
Von jedem privaten Veranstalter verlangt die Stadt ein umfassendes Sicherheitskonzept. Die Karnevalisten mĂŒssen es liefern, die SchĂŒtzen, auch die Veranstalter der Jazz-Rallye. FĂŒr die Sicherheit der Besucher ist ein Veranstalter verantwortlich, er hat eine rechtliche Verpflichtung dazu.
Wir Jonges meinen:
Was die Stadt von privaten Veranstaltern erwartet, muss sie auch von sich selbst verlangen.
Die „LĂ€ngste Theke der Welt“ ist eine GroĂveranstaltung,
fĂŒr die das NRW- Innenministerium einen generalisierten Rahmenplan entwickelt hat. Und zwar gleich nach dem Desaster um die Loveparade in Duisburg. Das Ministerium nennt das Papier einen „Orientierungsrahmen fĂŒr die kommunale Planung, Genehmigung, DurchfĂŒhrung und Nachbereitungen von GroĂveranstaltungen im Freien“.
Wir haben groĂe Zweifel, dass die Stadt sich an diesen Rahmen hĂ€lt und befĂŒrchten eher, dass sie sich wegduckt. Wir Jonges wollen die Stadt mehr und ganz direkt in die Verantwortung nehmen und fordern fĂŒr die Altstadt die Erarbeitung eines Sicherheitskonzeptes, das sich an dem Rahmenplan des Ministeriums orientiert.
In diesem Rahmenplan ist die Bildung eines stÀndigen Koordinierungsgremiums
vorgesehen, in dem Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste Woche fĂŒr Woche aktuell und vor Ort die Lage und damit das GefĂ€hrdungspotential beurteilen und entsprechend reagieren können. Dieses Kontrollgremium sollte nicht vom Ordnungsamt geleitet werden; es muss zuvor selbst das Sicherheitskonzept genehmigen und darf sich nicht selbst kontrollieren. Auch externe Experten sollten in dem Gremium Platz finden. Nach Meinung von Jonges-Vize Sebastian Juli ist auch der Einsatz von privaten Sicherheitsdiensten angeraten. Sie sollen keine hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen, sondern als Melder eingesetzt werden. Dieses Verfahren wird bereits beim Japantag und beim Rosenmontagszug praktiziert.
Neben diesen strukturellen VorschlĂ€gen fordert Rechtsanwalt Juli, der das Konzept fĂŒr den Vorstand entwickelt hat, dass die Stadt den Alkoholausschank an Altstadt-BĂŒdchen ab 22 Uhr verbietet. Dies sei ĂŒber die allgemeinen polizeilichen und ordnungsrechtlichen Generalklauseln möglich.
Der Jonges-Vorstand vertritt die Auffassung, dass die Stadt bei der Finanzierung des Sicherheitskonzeptes die Hauptlast tragen mĂŒsse. Ăber eine Beteiligung der Altstadtwirte könne man reden.
Auch selbst wollen die Jonges einen Beitrag leisten. Sie wĂŒrden ihr Haus in der Mertensgasse als Quartier fĂŒr das Koordinierungsgremium zur VerfĂŒgung stellen."
Weiterhin:
Weiterhin:
"Unser Konzept und die damit verbundene Kritik an der Stadt hat beides ausgelöst: Widerspruch von Seiten der Stadt, Zustimmung von Seiten vieler BĂŒrger. Namentlich die CDU hat heftig reagiert und unsere konstruktiven Vorstellungen als destruktiv bezeichnet. In einer Analyse der Rheinischen Post wird sogar behauptet, wir hĂ€tten polemisch argumentiert und uns ins Zwielicht gesetzt. Am Ende des Beitrags allerdings wird festgestellt, die Jonges hĂ€tten mit ihrer Kritik recht.
Liebe Heimatfreunde, wir haben mit der Sorge um unsere Altstadt ein wichtiges Thema aufgerufen, das uns auch im neuen Jahr beschĂ€ftigen wird. Und zwar so sachlich und konstruktiv, wie unser Sicherheitskonzept angelegt ist. Es bleibt dabei: Wir wollen im Rahmen eines „Sicherheitsgipfels“ (coronabedingt vermutlich online) mit der Stadtverwaltung, den im Stadtrat vertretenen Parteien und Gastronomen ins GesprĂ€ch kommen. Und dabei nicht herausfinden, was alles nicht geht, sondern was kurzfristig machbar ist, um das Altstadtviertel wieder sicherer zu machen. Und zwar von St. Lambertus ĂŒber die Carlstadt bis zum Apollo Theater, auch in den Wohnvierteln. Dies ist klar: Die heile, geradezu idyllische Altstadtwelt, wie sie in der offiziellen Stadtwerbung beschrieben wird, gibt es nicht oder nicht mehr.
In der im Januar erscheinenden Ausgabe unseres Magazins werden wir alle Reaktionen sorgsam zusammentragen und dabei auch nicht verschweigen, wie schwer sich etwa die Direktoren der groĂen City-Hotels aktuell tun, ihren internationalen GĂ€sten einen abendlichen Besuch der Altstadt zu empfehlen. Oder besser nicht.
Inzwischen haben wir auch mit Randale-Opfern in der Altstadt gesprochen. Ein junges MĂ€dchen wurde krankenhausreif geschlagen, ein junger Mann durch Messerstiche so schwer verletzt, dass man um sein Leben fĂŒrchten musste. TĂ€ter wurden bisher in beiden FĂ€llen nicht ermittelt.
Die Sicherheit in der Altstadt ist kein Thema fĂŒr einzelne Parteien oder Amtsinhaber. Es geht uns alle an. Ziel unseres konstruktiven VorstoĂes ist es, in Bevölkerung und Stadtrat eine breite Mehrheit fĂŒr konkrete MaĂnahmen zu erzielen, damit wir alle vorbereitet sind, wenn im FrĂŒhjahr die nĂ€chste „Gewaltwelle“ in der Altstadt zu befĂŒrchten ist. Die nĂ€chsten Wochen sind entscheidend. Lasst uns alle diese Wochen nutzen – gemeinsam fĂŒr eine sichere Altstadt."
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